DESTILLAT

* 2015

   Porzellan (bisquit & glasiert gebrannt, Goldlegierung), PUR-Schaum (cyan-türkis-lumineszent 

   gefasst), Stahlkonstruktion

   H x B x T: 250 x 400 x 50 cm

 

Destillat

 

rau – glatt, matt – glänzend, rechteck – quadrat, tradition – moderne,… Starke Kontraste und eine auffallende Farbigkeit dominieren das Wandrelief von Cosima Göpfert an der Stadtmauer. Form-, Farb- und Materialkontraste fallen auf: kristalline, glatte Formen aus Porzellan treten anstelle der flachen, rauen Sandsteinmauer aus einer wabernden Masse – gebildet aus PU-Schaum – räumlich hervor. Den Formkontrast wählt die Weimarer Künstlerin bewusst. Ebenso betont sie den Farbkontrast: Das poppige Türkis der Masse gegenüber dem Rot des Sandsteins und dem Weiß, bzw. dem Gold der kristallinen, kubischen Formen. Das fragile, leicht zerstörbare und daher so wertvolle Material Porzellan steht im Kontrast zur jahrhundertealten Steinmauer, ein Symbol für Dauerhaftigkeit.

 

Porzellan verwendet die Künstlerin gerne, hier in Schwabach bietet es sich an, schließlich gilt Porzellan als „weißes Gold“. Sie erinnert so an die große Tradition der Goldschlägerstadt: Mit dem Blattgold wurde edelstes Material aus Schwabach weltweit exportiert. Gold wird aber erst dadurch zu etwas Besonderem, indem es sich aus der großen Masse hervorhebt. Erst im Kontrast zum Gewöhnlichen, erst im Kontrast zur Masse kann Edles hervortreten. Ohne Masse ist das Edle nicht denkbar. Die kristallinen Formen kennzeichnen die feine Essenz historisch-kultureller Errungenschaften der Stadt – sie sind das Destillat, das Wesentliche!

 

Katalogtext

Kerstin Bienert, M.A. Kunsthistorikerin,

Leiterin der Museen Haus fränkischer Geschichte und Klöppelmuseum zu Abenberg