Was auf den Tisch kommt,..

von Christian Finger

An besonderen Tagen ist es auch mal Porzellan, das aus der Vitrine auf den Tisch kommt. Cosima Göpferts Objekte sind allerdings um einiges spezieller. Porzellan wird generell mit Zerbrechlichkeit assoziert, hat sich aber auch als beständig und robust erwiesen. Diese Ambivalenz der Eigenschaften sowie das alchemistische Moment, das dem Produktionsprozess anhaftet, aus einer halbflüssigen Masse durch die  Hitze des Feuers ein solides Objekt für die Ewigkeit zu schaen, macht viel von der Faszination aus, die von diesem Material ausgeht.
Hierzu muss die Künstlerin nicht nur ein gewisses Know-How mitbringen, sondern auch Ausdauer um den aufwendigen Produktionsprozess zu bewältigen, welcher stehts das Risiko birgt, zu scheitern. Ungleich dem Maler, der sein Schaen im Prozess immer vor Augen hat, bedarf das Material Porzellan weitsichtigere Vorgehensweisen. Während sich eine Idee auf der Leinwand entwickeln lässt und Korrekturen sowie Retuschen zulässig sind, muss die Idee Cosima Göpferts bereits vor dem heiklen Prozess des Gießens und Brennens auf den Punkt gebracht, inhaltlich und technisch durchdacht sein. Das verlangt vom kreativen Geist eine beinahe wissenschaftliche Zucht und Ordnung. Gelingt das Verfahren, steht am Ende eine in Form gegossene Idee. Nicht nur als Gebrauchtgegenstand sondern als (wertbeständiges) Sammlungsobjekt und Kunstgegenstand hat Porzellan eine jahrhundertlange Spur durch die Kunst- und Kulturgeschichte gelegt. Die Spuren die die Cosima Göpfert in diesem Sinne hinterlässt, wie zum Beispiel der Blumenstrauss oder die Handgranaten, heben sich in meinen Augen deutlich vom hergebrachten Image von Keramikarbeiten ab. In ihrem zerbrechlichen Erscheinen transportieren diese Werke klare Statements und stellen Konterpunkte zu sammlungsbewährtem Zierrat, wie goldberandeten Kaetassen und Figurienen dar. Göpferts Objekte sind nicht dem Zwecke des Dekorums oder einer alltäglichen Funktion untergeordnet. Auch wenn ein Werk wie “Wie lieb von dir” zuallererst hoch dekorativ erscheint, schleicht sich mit diesem, wie im Trojanischen Pferd, eine knallharte Botschaft ein. Die Werke bestehen als selbstreferientielle Kunstwerke und zeigen, dass Porzellan zu mehr taugt, als zu Zuckerdosen und Teeschalen verarbeitet zu werden.

Christian Finger